FRAGEN?

 

Unsere Webcam, die die Fans von Polarlichtern verfolgen, befindet sich am dunkelsten Ort von Mittelfinnland: Hier gibt es Videos von den atemberaubendsten Polarnächten und Nordlichtern

Foto: Heikki SulanderFoto: Heikki SulanderFoto: Heikki Sulander

Foto: Heikki Sulander

 

 Wir betrachteten eine Kamera, deren Bilder die Hälfte der finnischen Polarlichtjäger abends im Netz betrachten. Sie sah gar nicht besonders aus, aber sie hat eben eine große Bedeutung für das Betrachten von Polarlichtern. Einen Augenblick später stellten wir fest, dass es doch nur ein Nebenprodukt der übrigen Himmelsbeobachtung war.

Noch etwas interessanter als die kleine All-Sky-Kamera, ist die Wissenschaft, die man in Hankasalmi betreibt. Die All-Sky-Kamera war eigentlich dafür gedacht, die Bewölkung zu überprüfen, bevor man die Geräte des Observatoriums von Hankasalmi benutzte. Auf dem Material, das die Kamera liefert, können wir jedoch sehen, dass in Mittelfinnland wirklich oft Polarlichter zu sehen sind. Hier folgt ein Video, auf dem die Ereignisse einer ganzen Nacht zu einem kurzen Film auf dem YouTube-Kanal vom Observatorium Hankasalmi zusammengeschnitten wurden. Ein entsprechendes Video wird dort jeden Morgen veröffentlicht. Das Beispielvideo stammt aus dem Jahr 2015, aus einer besonders guten Polarlichtnacht.

(Video Polarlichter 17.3.2015)

Die Beobachtung des Himmels am Observatorium Hankasalmi liegt in der Verantwortung des Jyväskyläer Vereins Sirius e.V. und dessen Vorsitzenden Arto Oksanen; beide sind in der ganzen Welt bekannt, denn hier in Mittelfinnlands dunkelster Ecke werden viele bedeutende Beobachtungen zu Himmelserscheinungen gemacht.

Polarlicht erblicken in Mittelfinnland

  Foto: Heikki Sulander

 

Arto Oksanen hat uns das Observatorium Hankasalmi an einem Herbsttag vorgestellt. Die Sonne schien prächtig, als wir auf den Platz fuhren, wo das Observatorium liegt. Das Observatorium liegt auf einem privaten Grundstück, und deswegen sollte man sich entsprechend ruhig verhalten. Das Observatorium Hankasalmi hat keine für das Publikum offenen Aktivitäten, man muss also bei Sirius e.V. eine Privatveranstaltung für das Observatorium reservieren.

Können wir bald die Töne der Polarlichter hören?

Im Observatorium Hankasalmi beginnt Ende 2019 eine neue Untersuchung, deren Gegenstand sehr umstritten ist: Gibt es bei Polarlichtern Töne, können wir diese auf der Erde hören, und wie entstehen sie? In Hankasalmi/Mittelfinnland werden besonders empfindliche Mikrofone installiert, um den Himmel abzuhören – bis heute hat man schon bemerkt, dass Töne gerade hier und eben nicht im nördlichen Finnland am sichersten zu hören sein können.

Über die Töne bei Polarlichtern hat man in Norwegen schon in den 1960er Jahren gesprochen, damals wurden sie jedoch als Töne von Messgeräten interpretiert, oder man dachte, dass ein Magnetsturm die Töne auf der Erdoberfläche verursacht. In den 1960er Jahren wurden Töne bei Polarlichtern negiert, denn bei einer in Alaska durchgeführten Tonaufnahme, die den ganzen Winter lief, konnten keine Töne bei Polarlichtern festgestellt werden. Diese Untersuchung wurde allerdings in einem Winter durchgeführt, in dem es nur selten Polarlichter gab.

In Finnland dachte der Professor emeritus für Akustik Unto K. Laine von der Aalto-Universität in Helsinki über den Widerspruch zwischen den wissenschaftlichen Messergebnissen und den Erzählungen der Menschen nach. Die Töne bei Polarlichtern sind in den Volksüberlieferungen immer ein Teil dieser Geschichten: Brausen, Knistern und Knallen. Er setzte seine Forschungen sogar mit seinem eigenen Geld unbeirrt fort. Erst im Jahr 2016 konnte Unto K. Laine seine Forschungsergebnisse vorstellen: aufgenommene Töne.

Wenn man es in Hankasalmi jetzt schafft, Töne bei Polarlichtern aufzunehmen, dann wäre das eine wirklich große Neuigkeit und würde die langjährigen Wahrnehmungen von Laine als richtig bestätigen, erzählt Arto Oksanen. Er selbst hat keine Töne bei Polarlichtern gehört, aber die „Ohren“ der Forschungsgeräte sind wirklich empfindlich im Vergleich zum menschlichen Gehörsinn.

Polarlicht erblicken in Mittelfinnland

Heikki Sulander erzählt in seinem Blog Rinkkaputki (Rucksacktour), im Jahr 2015 seine ersten Polarlichter in Jyväskylä gesehen zu haben. Davor war er immer in dem Glauben, dass man von höheren Bergen umgeben sein müsse, um einmal solches Glück zu haben. Aber dann sah er sie grünlich am Himmel dahinwabern. Wir fragten Arto Oksanen nach den besten Tipps, um Polarlichter in Mittelfinnland zu sehen.

Die wichtigsten Waffen zum Erblicken von Polarlichtern sind:

1) Unbehinderter Blick nach Norden
2) Wolkenloser Himmel
3) Geringe Lichtverschmutzung

Der dritte Punkt ist nicht ganz obligatorisch, hilft aber erheblich dabei, die Farben besser zu unterscheiden. Die Unterscheidung hängt ganz davon ab, wie stark die Polarlichter sind.

Das Fotografieren von Polarlichtern unterscheidet sich nicht groß vom Fotografieren von Sternen, wobei man es doch etwas leichter hat, denn Polarlichter braucht man nicht so stark fotografisch nachzubehandeln: Man muss nur die Kamera fest fixieren und Blende, Verschluss und Empfindlichkeit manuell einstellen können. Ein Weitwinkelobjektiv ist für diesen Zweck sicher besser geeignet als z.B. ein Teleobjektiv.

Kameraeinstellungen für das Fotografieren von Polarlichtern

Heikki Sulander empfiehlt folgendes: Belichtungszeit 2–7 Sekunden (für wirklich helle Polarlichter reicht weniger als eine Sekunde), größtmögliche Blende (also die kleinste F-Zahl) und Empfindlichkeit (ISO) zwischen 800–2000. Und die Schärfe natürlich manuell so, dass die Sterne oder Polarlichter scharf sind – also „fast unendlich“. Man muss nur daran denken, dass eine zu lange Belichtungszeit die Polarlichter als blassere Himmelsflammen und stärker mit einem Fotoprogramm nachbehandelt aussehen lässt.

Es muss noch erwähnt werden, dass man mit der All-Sky-Kamera in Hankasalmi während der Saison fast jede Woche Polarlichter sehen kann; es handelt sich also um keine seltene Erscheinung. Man muss nur zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Es lohnt sich auch, einen Polarlicht-Melder an die eigene E-Mail-Adresse schicken zu lassen, dann bekommt man aktuelle Informationen zur Wahrscheinlichkeit von Polarlichtern. Damals am 8.10. trafen mehrere Mails bei mir ein, denn es war wirklich eine tolle Show.

Sehr gute Informationen gibt auch das neue Buch Revontulibongarin Opas [Polarlichter erblicken] (Into Kustannus Oy 2018, Palmroth, Jussila, Hotakainen), das detaillierter alles über die verschiedenen Polarlichter erzählt.

Wie entstehen denn Polarlichter?

Wenn die geladenen Teilchen von Sonnenwinden auf die Erdatmosphäre treffen, entstehen Polarlichter. Je dichter man an den Polen ist, desto öfter kommen sie vor. Die kräftigsten Polarlichter sieht man im Allgemeinen nach starken Ausbrüchen in der Sonnenkorona. Sie sind häufig grün, aber abhängig vom angeregten Zustand der Sauerstoff- und Stickstoffatome und –moleküle kommen auch Farben wie Purpur, Blau und Rot vor.

Die letzte starke Polarlichtphase gab es in der Zeit vom 7.-8. Oktober, und wie man sieht, war es ein beeindruckender Anblick:

(Video Skywatch 2018_10_07)

 

 

Heikki Sulander

Über den Autor: Heikki Sulander ist der Fotograf des Rinkkaputki-Wanderblogs, und er mag die Ziele in Jyväskyläs Umgebung sowie die Nationalparks im zentralen Finnland.

 

 

 

 

 

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